Santésuisse oder Curafutura? Diese Frage stellt sich für viele Krankenkassen nicht mehr. 13 grosse Kassen (***) haben angekündigt, ihre Mitgliedschaft in den bestehenden Verbänden zu kündigen und Anfang 2025 einen neuen, einheitlichen Verband zu gründen. Dieser Schritt erfolgt aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen der Verbänden (Spital/FMH) und dem Wunsch nach einer stärkeren gemeinsamen Stimme in gesundheitspolitischen Fragen.

Die Versicherer Assura, Atupri, Concordia, CSS, EGK, Groupe Mutuel, Helsana, KPT, ÖKK, Sanitas, SWICA, Sympany und Visana (und ihre Partner, siehe Anmerkung) haben sich am 20.6.2024 dafür entschieden und werden ihre Mitgliedschaft bei curafutura oder santésuisse dahingehend sistieren. Dies verbindet mehr als 90% aller Versicherten im KVG bzw. der Grundversicherung in der Schweiz.
Da die CSS, Helsana, Sanitas und KPT (Austritt 12/2023) die curafutura verlassen, wird dies wohl zur Auflösung führen. Hier war bis zu seiner Wahl zum Bundesrat (11/2017) der Tessiner Kantonsarzt Iganzio Cassis im Verwaltungsrat. Die restlichen Kassen die bei der Santésuisse verbleiben sind eingeladen, dem neuen Verband beizutreten.
Diese Entwicklung erfolgt kurz nachdem der Bundesrat grünes Licht für den neuen TARDOC und die Einführung pauschaler ambulanter Tarife gegeben hat.
Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen dieser neue Verband auf die Versicherten und das Schweizer Gesundheitswesen haben wird. Auf eine weitere Veränderung der Tariflandschaft? Mal sehen.

Der Name des neuen Verbandes ist noch nicht bekannt. VSEV (Verband zur Sicherung der Einkommen der Vorstandsmitglieder) ist ein Vorschlag aus den einschlägigien Foren und natürlich nicht ernst zu nehmen.
Auch wie sich der neue Verband genau positionieren wird und welche konkreten Ziele er verfolgt wird wohl eine spannende Geschichte werden. Die Entwicklung wird sowohl von Versicherten als auch von anderen Akteuren im Gesundheitswesen mit Spannung beobachtet. Die Ankündigung des neuen Verbands erfolgt in einer Zeit, in der das Schweizer Gesundheitswesen vor großen Herausforderungen steht. Steigende Kosten, demografischer Wandel und technologische Fortschritte erfordern neue Lösungen. Der neue Verband könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, diese Herausforderungen anzugehen. Wir wünschen ihm viel Glück.
*** Anmerkung: Hier miteinzubeziehen die den Gruppen angebhörenden Verischerer, AMB, Avenir, Easy Sana, Philos, Supra, Progrès, Provita, sana24, Vivacare, Galenos
Quellen:
Medienmitteilungen der KPT / Artikel in Schweizer Zeitungen / Online-Portale zum Thema Gesundheitswesen (medinside.ch, etc.): Bilder by leonardo.ai in (c) peter meierhans
Zum Titel: Die «kranken» Kassen vereinen sich. Natürlich sind die Kassen nicht krank, natürlich schreibt man Krankenkassen zusammen.
Schweizer Krankenkassen im Dilemma: Zwischen steigenden Kosten und Leistungsdruck
Die Schweizer Krankenkassen stehen vor großen Herausforderungen. Sie müssen einen Spagat zwischen dem Wunsch der Versicherten nach immer besseren Leistungen in der Grundversicherung und den stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen schaffen.
Die Kassen bezahlen die Rechnungen von Ärzten, Spitälern und anderen Leistungserbringern nach festgelegten Tarifen. Diese Tarife steigen jedoch aufgrund des medizinischen Fortschritts, der demografischen Entwicklung und des wachsenden Anspruchsdenkens kontinuierlich an. Gleichzeitig müssen die Krankenkassen die Prämien für ihre Versicherten im Rahmen halten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ein gutes Geschäftsjahr kann zu sinkenden Prämien führen, ein schlechtes Jahr hingegen zu Prämienerhöhungen. Dieses System der jährlichen Prämiengestaltung macht die finanzielle Planung für Versicherte schwierig und führt zu Unsicherheit.
Die Solidarität im Schweizer Krankenversicherungssystem ist begrenzt. Sie erstreckt sich hauptsächlich auf die Versicherten einer Kasse, den Wohnkanton und die gewählte Franchise. Eine nationale Solidarität, die alle Versicherten unabhängig von ihrer Kasse und ihrem Gesundheitszustand gleich behandelt, ist nur in begrenztem Umfang gegeben.
Die Ankündigung von 13 großen Krankenkassen, einen neuen Verband zu gründen, ist ein Zeichen für die Unzufriedenheit mit dem Status quo. Die Kassen erhoffen sich durch eine stärkere gemeinsame Stimme mehr Einfluss auf die Gesundheitspolitik und eine bessere Position in den Verhandlungen mit Leistungserbringern.
Die Herausforderungen im Schweizer Gesundheitswesen sind jedoch komplex und erfordern mehr als nur eine Umstrukturierung der Verbände. Es braucht eine umfassende Diskussion über die Kostentreiber im Gesundheitswesen, die Rolle des Bundes bei der Regulierung und mögliche Lösungsansätze, wie beispielsweise eine stärkere Förderung von Prävention und eine effizientere Nutzung der vorhandenen Ressourcen.
