Immer mehr Kosten für die Chiropraxis

By | 15th November 2019

Eine Meinung des Autors (und ausschliesslich von diesem)

2013 erstelle ein(e) Chiropraktor*In noch eine Rechnung, sandte sie dem Patienten und fertig. Aufwand? Administration und Marke waren die Kosten. Das Inkasso-Risiko in der Stadt bei 8% auf dem Lande bei 3%. Dies die Zahlen von unseren Anwendern.

Dann ging es los: Zuerst die neuen Verträge im UVG, nur noch via MediData, dann folgte das KVG. Die Kosten lagen hier bei den meisten Praxen ausschliesslich bei der Hardware und Software – Umstellung. Das versenden der elektronischen Rechnungen via MediData/MediPort war gratis.

Es folgte was kommen musste, Anpassung der Rechnungsformulare, Drucker mit 2 Schächten, permanentes Internet und so weiter. Die Monitore wurden zu klein um eine Rechnung zu betrachten. Das aufkommen der digitalen Röntgen und dem versenden dieser Bilder/Daten benötigte einen sicheren Zugriff. HIN, bis dahin eher eine kleine Firma die für das Abfragen der Kartendaten ein Muss war, mausert sich zum E-Mail Client für alle Arztpraxen. 15 bis ??? Franken im Monat für den Client.

Um Kartendaten einzulesen, benötigt man einen Vertrag bei CoverCard/Ofac, dieser ist aber nur zu lösen, mit einer aktiven HIN–Adresse. Hier kauft man dann auch die Lesegeräte (Magnet oder Chip) die im Handel für 30 Franken angeboten werden, zu 160 Franken.

Die Anmeldung bei SASIS nicht vergessen, ohne diese kriegt man im TP kein Geld. Ok war früher schon nötig für Konkordats oder SN- Nummer

Nun kommt noch die MediData, die bisher von den Kassen, einen 0/000 Betrag bekam und damit gut leben konnte. Die Sicherheit bestand aus einem KEY (Sicherheit-Zertifikat), vom Kunden einmalig pro Jahr eingegeben. Obwohl nun bei den meisten Praxen ein HIN/Proxy seine Dienste tut, entwickelt man eine eigene Lösung in Form einer Hardware. Die vermietet man nun und verlangt zwischen 19 und 36 Franken im Monat. Und was macht diese Box, ach ja sie sendet Rechnungen an die MediData bzw. an die Kassen. Das eigene MediPort System löst man dazu auf, damit es auch ja keine Alternativen gibt. Eine mal angekündigte File-Lösung (ohne Hardware) wurde beerdigt. Haben Sie sich mal überlegt wenn alle 25’000 Praxen (Arzt/Chiro/Physio etc.) ein solches Gerät betreiben müssen um Rechnungen zu versenden, alleine der Stromverbrauch??? Ach ja und die Einnahmen der MediData… Ups..

Ein weiteres Elend, die einzige Kommunikation zwischen Chiropraxis und überweisendem Arzt, ein Bericht, wird von den meisten Kassen nicht mehr bezahlt. Gerade DIESER förderte das Vertrauen zur Chiropraxis in den letzten beiden Jahrzehnten. Es ist in unserer stressigen Welt, auch die einzige Lösung, die Diagnose und eventuell weiter Empfehlung kund zu tun. Chiropraktor*Innen sind wohl seit 2004/2009 gefestigt in unserem Gesundheitswesen und als Arzt, anerkannt, aber genau dies wird mit dieser Weisung wieder hinterfragt. Zu Vermerken ist wohl, das einige Kassen, Berichte immer noch bezahlen, aber es werden immer weniger. Der überweisende Arzt hat zudem die Möglichkeit unter Tarmed, den Aufwand zum lesen der Berichte zu verrechnen, der Chiropraktor nur im UVG.

Nun das Ganze hat auch seine Vorteile. Das Inkasso-Risiko ist extrem gesunken, wer den Kartenleser bei Neupatienten*Innen benutzt, kann dieses sogar auf 0.2% senken (unsere Erfahrungen der letzten 2 Jahre). Praxen die auf den Verkauf von MiGeL und andere Artikel verzichten, haben dazu eine fast 99,9% Wahrscheinlichkeit, dass die Rechnung von den Kassen ohne Kommentar übernommen wird.

Das grösste Inkasso-Risiko für Chiropraxen ist nach wie vor, wenn es zu abgewiesenen UVG-Fällen kommt. Rücknahme der Rechnung, Kontakt mit dem Patienten, welche Kasse nun zuständig ist und keine Möglichkeit mehr, via Direkt-Auskunft einen Inkassofall zu verhindern.

Dennoch kommen wir auf eine Mehrbelastung pro Chiropraktor*In von gut 1400 Franken/Jahr. In der Gegenverrechnung zum niedrigen Inkasso-Risiko wohl ein kleiner Betrag, aber dennoch.

Weit mehr schlägt der Verlust der Möglichkeit, Berichte zu verrechnen zu Buche. Viele Chiropraktor*Innen schreiben nun unentgeltlich und in kaum zu bezifferndem Aufwand, ihre Berichte. Bei den 4 Praxen wo wir diese Daten auswerten durften sind dies im Schnitt, Aufwendungen von 19’700 Franken im Jahr (bei gut 550 Berichten). Bei Gesprächen konnten wir festhalten, dass dies auch gut und gerne 3 bis 6 Stunden pro Woche, Aufwand bedeutet, der meist nach der normalen Arbeitszeit oder gar am Wochenende anfällt. In Anbetracht der Umsätze der teilnehmenden Praxen ist dies ein Minderverdienst von 4 bis 8%.

Doch die richtig grossen Kosten folgen noch.

Wer noch kein digitales Röntgen hat, wird sich hier Kosten aufhalsen, Die Support-Verträge sind happige Brocken. Dafür entfallen Kosten für Chemie etc. Immer wieder muss ich staunen, dass bei solchen Verträgen, das eigentliche Kernstück, die Bildbetrachtung (Software) separat verrechnet wird und diese Kosten je nach System teurer sind als die Wartungskosten der Röntgen-Anlage. Ist in etwa so, wie wenn Sie einen Fernseher kaufen, aber dann monatlich dafür bezahlen müssen, dass dieser auch ein Bild liefert. Noch fraglicher sind die Befund-Monitore. Ein Relikt aus früheren Jahren, dass zu Recht vor vielen Jahren dazu führte, dass die Röntgenbilder auf den damals schlechten VGA Monitoren, nicht zu Fehldiagnosen führten, weil die Auflösung zu schlecht war.

Das digitale Patienten-Dossier aber, wird uns noch lehren, was passiert, wenn Sicherheitsaspekte neu erfunden werden müssen (da man damit ganz viel, unheimlich viel Geld verdienen kann) und die Kosten der eigentlich Projektierung um ein vielfaches übersteigen. Irgendjemand bezahlt diesen Unsinn (Sorry meine Meinung)! Der Steuerzahler, der Patient oder am Schluss der Arzt?

Alleine die vielen Speziallisten*Innen die es nun in jedem nur erdenklichen Fach (von Ethik bis Datenschutz) gibt und die ihr 6 stelliges Jahresgehalt abholen, lassen mich nur noch fragend zurück. Für jedes noch so kleine Projekt (was hier einer der 1000 kleinen Schritte bedeutet) , auch solche die in anderen Ländern wunderbar funktionieren, werden Abklärung-Studien, Machbarkeit-Analysen usw. angefordert. Diese Berichte werden dann durch mehrer Instanzen geprüft und dann? Als nicht durchführbar gestempelt in den Keller gelegt. Wir Schweizer*Innen müssen ja immer alles neu erfinden.

Als NichtArzt muss ich gestehen, sehe ich ein krankes KVG in der Grundversicherung. Medikamente die 750’000 Franken und mehr kosten, ja sogar von einem Pharma-Riesen in Teilzahlung für die Kassen angeboten werden. Die Begründung der hohen Kosten sind Vergleiche, was es kosten könnte, wenn der Patient dieses Medikament nicht einnimmt. Mit diesen Gründen könnte auch ein Durchfall/Migräne-Medikament pro Tablette gut 450 bis 2000 Franken kosten, als Begründung ein nicht statt findender Arbeitsausfall.

Und nun mal ehrlich, wäre da nicht auch eine Position 6059 nötig, bei einem Patienten der als Beispiel mit einem Bandscheibenvorfall zum Chiro kommt? Geschätzt geht so ein Patient 14 Tage früher zur Arbeit und die Position wäre so mit 800 bis 1500 TaxPunkten pro Sitzung zu verrechnen.

Retractatio by Peter Meierhans