Atupri will keine MiGeL mehr bezahlen

By | 24th Februar 2016

23.2.2016

Atupri meldet, dass sie keine Migel-Artikel mehr auf Rechnungen aus der Chiropraxis bezahlen wird.

Atupri stützt sich hier zu recht/ zu unrecht (?) auf den Artikel 4 des KLV die dem Chiropraktor, Medikament und MiGeL Artikel zur Verordnung frei geben, der Verkauf aber den Apotheken oder Fachgeschäften obliegt.

Bisher ist es nur Atupri die hier diesen Einwand stellt.

Die von Chiropraktoren und Chiropraktorinnen verordnete Leistungen sind in Art. 4 der Krankenpflege Leistungsverordnung (KLV) abschliessend aufgeführt:

Die Versicherung übernimmt die Kosten der folgenden von Chiropraktoren und Chiropraktorinnen verordneten Analysen, Arzneimittel, der Untersuchung oder Behandlung dienenden Mittel und Gegenstände sowie bildgebenden Verfahren:

  • a. Analysen: die Analysen sind gestützt auf Artikel 62 Absatz 1 Buchstabe b KVV in der Analysenliste separat bezeichnet;
  • b. Arzneimittel: pharmazeutische Spezialitäten der therapeutischen Gruppen 01.01. Analgetica und 07.10. Arthritis und rheumatische Krankheiten der Spezialitätenliste, soweit die zuständige schweizerische Prüfstelle für diese Spezialitäten als Verkaufsart eine Abgabe durch Apotheken ohne ärztliches Rezept (C) oder eine Abgabe durch Apotheken und Drogerien (D) bestimmt hat;
  • c. Mittel und Gegenstände: MiGeL
  1. Produkte der Gruppe 05.12.01. Halskragen der Liste der Mittel und Gegenstände,
  • 2. Produkte der Gruppe 34. Verbandmaterial der Liste der Mittel und Gegenstände für die Anwendung an der Wirbelsäule;
  • d. Bildgebende Verfahren:
  1. Röntgen des Skelettes,
  • 2. Computertomographie (CT) des Skelettes,

  • 3. Magnetische Kernresonanz (MRI) des Achsenskelettes,

  • 4. Szintigrafie des Skelettes.

  • Neu seit dem 01.07.2009:

  • Art. 4 Einleitungssatz und Bst. e

  • Die Versicherung übernimmt die Kosten der folgenden von Chiropraktoren und Chiropraktorinnen verordneten Analysen, Arzneimittel, der Untersuchung oder Behandlung dienenden Mittel und Gegenstände, bildgebenden Verfahren sowie physiotherapeutischen Leistungen:

  • e. physiotherapeutische Leistungen nach Artikel 5.

Es mag den/die ChiropraktorIn dabei stören, dass er/sie wohl in Zukunft je ein Muster der Bandagen und Stützen in der Praxis haben sollte/muss, am besten noch in jeder Grösse, dem Patienten zeigt und erklärt wie er diese zu  benutzen hat um dann schlussendlich den selben Artikel zu verordnen und den Patienten hinweist, er soll diesen bei XX holen. Dies natürlich alles kostenlos.

Wie wir, sehen einige Ärzte den folgenden Hinweis anders!

Die Versicherung übernimmt die Kosten der folgenden von Chiropraktoren und Chiropraktorinnen verordneten Analysen, Arzneimittel, der Untersuchung oder Behandlung dienenden Mittel und Gegenstände…»

Das «verordnet» bezieht sich auf die Analysen und Arzneimittel, nicht aber auf den Teil «…der Untersuchung oder Behandlung dienenden Mittel und Gegenstände…»

Entfernt man nämlich die durch Koma getrennten Aufzählungen bedeutet der Artikel

Die Versicherung übernimmt die Kosten der folgenden von Chiropraktoren und Chiropraktorinnen der Untersuchung oder Behandlung dienenden Mittel und Gegenstände sowie bildgebenden Verfahren:

Somit wird hinterfragt, ob Atupri hier den Artikel falsch interpretiert.

Wir von Seiten ChirWin haben eine Anfrage an die Chirosuisse abgegeben. /22.2.2016/Fall-Wicki. Diese wurde uns beantwortet mit dem Hinweis das die betroffenen Praxen sich bitte melden sollen.


Der Fall MiGel beschäftigt schon lange Zeit nicht nur die Ärzte. Einerseits sind die max. Vergütungen zu tief, anderseits viel zu hoch. Unlängst deckte Kassensturz die Preise einiger MiGel Artikel auf. Sieht man dies, kann man die Kassen verstehen, die lieber den Apothekenpreis als die der Ärzte und Spezialisten bezahlen möchten.

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Vergessen wird hier aber oft, dass der/die ChiropraktorIn sich die Zeit nimmt den Patienten über den Gebrauch und das Anwenden, Pflegen etc. zu informieren und keine Tarifposition kennt die ihm diese Zeit vergütet. Somit könnte man sich nur mit einer längeren Konsultation (6007)  schadfrei halten, die aber bei einigen Artikeln sicher nicht gerechtfertigt ist.

*** 6007 Zeitaufwand

Dauert eine weitere Konsultation (Pos. 6002) ausnahmsweise länger als 15 Minuten, erfolgt ein Zuschlag je volle oder angebrochene Viertelstunde. Dies bezieht sich ausschliesslich auf die Dauer der Konsultation, nicht auf die Dauer der Behandlung.

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